» [..] Wer die geniale Naturphilosophie von Oken kennt, wird überrascht werden, wenn er hier den Versuch findet, die seltsame mathematische Introduktion derselben zu bestätigen. Der Verf. ist aber nicht weniger leicht über die eigentliche Schwierigkeit hinweggehüpft, wie Oken.
Beide gehn mathematisch vom Zero, vom Nichts, von der Null aus. Sofern man sich die Null einmal denkt, sagen sie, wird eine Eins daraus, man denkt sie noch einmal und unendliche Mal und somit ist die Realität der Welt gegeben. Man denkt sich aber, sagen sie, die Nullen nicht bloß nach einander in der Zeit, sondern auch neben einander im Raume, jede Null, jedes Nichts, sofern man es denkt, wird ein Punkt, ein Punkt reibt sich an den andern zur Linie, die Linie zu Flächen, zu Körpern und da stehen wir denn glücklich mitten in der Materie; die Welt, die anfangs null und nichts war, ist nicht bloß real, sondern auch materiell geworden.
Das ist alles sehr schön und klar, wenn man einmal die Voraussetzungen gelten läßt. Aber es bleibt immerhin ein ganz gewaltiger Sprung aus dem bloßen Denken des Nichts heraus in die Materie.
Erste Voraussetzung: es muß einer da seyn, der da denkt. Einwurf: es ist aber nichts da, als das Nichts. Folgerung: das Nichts denkt sich selbst. Einwurf: denkt das Nichts, so ist es nicht mehr nichts, sondern ein denkendes Urwesen oder Gott. Folgerung: dagegen ist nichts einzuwenden. —
Zweite Voraussetzung: es muß ein Raum entstehen, um die ungeheure Menge der als Einheiten gedachten Nullen aufzunehmen. Einwurf: Nichts, unendlich mal gedacht, bleibt doch nichts und hat im kleinsten Gehirn des lezten Wesens, das überhaupt zu denken vermag, Platz genug. Wir können bereits alles gedacht haben, und es wird noch nicht das geringste wirklich geworden seyn. Uebrigens ist es noch sehr die Frage, ob das Denken nicht erst hinter dem Seyn hinterdrein folgt, ob nicht alles Denken bloß ein Nachdenken ist, wenigstens müssen wir bei der Schöpfung der Welt wohl von unserm armseligen Kreuz- und Querdenken und Speculiren abstrahiren, und von Gott nicht glauben, er habe erst lange bei sich selber nachgedacht, wie er die Welt wohl machen würde. Ich halte es hier mit Goethe: im Anfang war nicht der Gedanke, sondern die That!
Folgerung: es wird sich schwerlich etwas dagegen einwenden lassen. «
Nun, um die Zeit war der Querdenker beziehungsweise der Begriff des Querdenkers noch keine besondere 'Auszeichnung'. Was es ja auch heute häufig nicht ist. Die Verbindung von Querdenker und Quertreiber ist in vielen Gehirnen noch vorhanden. Querdenken und Quertreiben schließt sich ja auch nicht grundsätzlich aus.
Der Auszug oben ist übrigens aus dem "Morgenblatt für gebildete Leser, 1836". Finden Sie bei books.google.de mit dem Suchbegriff "Querdenken". Am schnellsten dann zur erweiterten Buchsuche und beim Zeitraum "bis 1850" eingeben.
Da gibt es nicht sonderlich viele Ergebnisse, wie gesagt: Querdenker war eher ein Tadel denn eine Auszeichnung.






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