Am Hirn rumbasteln. Nur ein bisschen...

Der Mensch kriegt ja alles hin. Weiss alles, kann alles. Ist ja klar, schließlich sind wir die Krone der Schöpfung.
Lobotomie wurde - wenigstens eine Zeitlang - angewendet. Um Probleme mit manchen psychisch Kranken zu beheben. Also:
- die Lobotomie hat funktioniert. Allerdings mit einigen Nebenwirkungen. So ein bisschen Persönlichkeitsveränderung. Solche Dinge halt.
- die Frage ist auch, ob teilweise psychisch Kranke halt nicht der "Norm" entsprechen. Und die muss man dann eben hinbasteln. Nicht die Norm, nein, die Menschen. Wobei manchmal sinnvoller wäre, wenn die Norm geändert wird.
Diese Hirnoperationstechnik wurde von Mario Fiamberti (1894–1979) in Italien und António Egas Moniz in Portugal gleichzeitig in Angriff genommen. 1936 wurde sie erstmalig am Menschen ausgeführt. Moniz wurde dafür 1949 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Ab Anfang der 1940er Jahre entwickelten der amerikanische Psychiater Walter Freeman (1895–1972) und der Neurochirurg James Winston Watts (1904–1994) die Methode zu einer populären Standardtechnik der Psychiatrie, die unter dem Namen Lobotomie bis ca. 1955 in den meisten Industriestaaten, insbesondere jedoch im anglo-amerikanischen Raum, eingesetzt wurde.
Bitte beachten im oberen Abschnitt: "Standardtechnik"...
Und nochmal ein Stückchen Wikipedia:
Walter Freeman ließ jedoch auch nach der Einführung von Psychopharmaka und der weitgehenden Ablehnung der irreversiblen operativen Methoden in der Praxis nicht von seiner transorbitalen Lobotomie ab. Sein Wille, die Methode zu verbreiten und Kollegen zu überzeugen, erreichte dabei bizarre Auswüchse: So operierte er vor den Augen zahlreicher Zuschauer sowohl im Fernsehen als auch in Hörsälen Patienten im Akkord (mehrere Dutzend pro Tag). Des Weiteren reiste er in einem Wohnmobil, dem von ihm so getauften Lobomobil, von Klinik zu Klinik durch die USA und operierte einen Patienten nach dem anderen. Zeit seines Lebens pries er die Lobotomie als optimale Behandlungsform und operierte bis zu seiner Pensionierung 1962 weiter, insgesamt ca. 3600 Patienten.
Ja ja, wir Menschen sind schon seltsame Geschöpfe.
Nichtsdestotrotz die Krone der Schöpfung. Nicht vergessen.


Die erste Lobotomie war eher unfreiwillig. Phineas Gage hat sich eine 3cm dicke und 1,1 Meter lange Eisenstange durch diese unnützen Frontallappen getrieben. Nicht alles vom Gehirn wird schließlich wirklich benutzt und benötigt.
Ausser dem leicht lädierten linken Auge sind auch noch einige andere unwesentlichen Nebenwirkungen aufgetreten:


"Der Unfall des Phineas P. Gage ist für die neurowissenschaftliche Forschung von großer Bedeutung: Nach Angaben seines Arztes, Dr. John D. Harlow, war er nach wenigen Wochen körperlich wiederhergestellt und auch seine intellektuellen Fähigkeiten, einschließlich Wahrnehmung, Gedächtnis, Intelligenz, Sprachfähigkeit, sowie seine Motorik, völlig intakt. In der Zeit nach dem Unfall kam es jedoch zu auffälligen Persönlichkeitsveränderungen bei Gage. Aus dem besonnenen, freundlichen und ausgeglichenen Gage wurde ein kindischer, impulsiver und unzuverlässiger Mensch. Dieses Krankheitsbild ist heutzutage in der Neurologie als Frontalhirnsyndrom bekannt."
Aber wenigstens sind die intellektuellen Fähigkeiten intakt geblieben. Dann ist ja soweit alles O.K.
Speziell wichtig sind die Frontallappen ja ohnehin nicht. Die (sollen) ermöglichen, dass wir die Zukunft planen können. Und, planen und steueren, das tun wir ja sehr gerne. Genaue Vorhersagen sind wichtig.
Wenn beispielsweise beim Thema "Social Media" gewisse Hochrechnungen für die Zukunft angestellt werden, dann:
- Frage ich mich ab und zu - vergessen die "Planer", dass Unterwegs ja auch noch einige Dinge passieren könnten, die das Ergebnis verändern
- und es stellt sich die weitere Frage - weshalb können die meisten Menschen nicht mit dieser Ungewissheit umgehen? Die Ungewissheit, dass wir nicht exakt vorhersehen können, wie die Zukunft verläuft.
... vielleicht wird die Lobotomie auch Heute noch ab und zu durchgeführt?
Könnte ja sein 
Fotos Flickr: Aigars Mahinovs





Deutsches Produkt | Produktionsverfahren: Einfach. Benutzung: Einfach. Selbermachen: Einfach.
Aktiv: Meinungen der Leser
Vor etwa zwei Jahren habe ich mich auch mal damit beschäftigt: http://weblog.hundeiker.de/item-1300.html - Interessant dabei, daß man damit auch Krankheiten heilen wollte wie Homosexualität und Kommunismus.
Hab's gesehen, die Google+ teilen-Meldung war schnell. (Wenn ich das mit Google+ mal verstehe, dann mache ich das auch
Das nennt man wohl "Illusion der Kontrolle". Sehr weit verbreitet, die Illusion. DDT war ja auch mal zur Verbesserung der Fleischqualität im Einsatz. Kein Scherz.
Ich sehe meistens keinen großen Unterschied zwischen Schröpfen/Aderlaß und der Denkweise heutiger Menschen. Klar, früher wußten die das nicht besser. Aber Heute? No Problema...
Grüße